Der Luxus einer Waschmaschine
Eben habe ich nach der Stunde joggen im frischen Schnee die Waschmaschine “angeschmissen”. Jetzt warte ich eine Stunde, kann die frischgewaschene, saubere und duftende Wäsche aus der Waschmaschine nehmen, auf den Wäscheständer hängen und sie dort einfach trocknen lassen – so einfach geht das und wie oft habe ich dennoch zu Hause die Waschmaschine verflucht, weil sie immer erst dann fertig wurde, wenn ich los musste und es immer wieder passierte, dass ich meine Mutter bat, meine Wäsche aufzuhängen, weil ich es nicht mehr schaffen würde.
Das letzte Jahr habe ich in Bolivien ohne diesen wunderbaren Luxus einer Waschmaschine gelebt. Die Strassen zu meiner Arbeit sind sehr staubig, also musste ich auch wirklich regelmässig meine Klamotten waschen, dazu kam noch, dass ich einen recht gegrenzten Kleiderschrank besaß, 8 T-shirt, mehr konnte ich da nicht finden.
Wenn also der Wäscheberg zu groß und mein Kleiderschrank zu leer wurde, hieß es an “Ran an die Waschschüssel”. Wir hatten eine blaue Waschwanne, die ich mit heissem Wasser aus dem Wasserkocher und kalten Wasser aus unserem Wasserhahn in der Küche füllte, denn warmes Wasser gab es nur manchmal und dann auch nur in der Dusche. Dazu kam dann noch ein Schwung Detergente (Waschmittel) und es konnte losgehen. Erst wurde alles in der Waschwanne eingeweicht, bis das Wasser ganz schwarz war. Nun kam ein T-Shirt in das kleine Waschbecken in der Küche, es wurde ordentlich gequält von meinen Händen, erst gerubbelt, dann ausgespült, dann kam die Seife dazu, eine Bürste half mit weiter beim Schrubben, dann nochmals auswaschen, ausspülen und kräftig auswringen. Dann kam das T-Shirt auf die Geschirrablage, wenn der Wäscheberg dort etwas grösser wurde, ging ich in mein Zimmer, um die teils doch tropfenden Kleidungsstücke auf dem Stück Schnur vor meinem Fenster aufzuhängen. Am Schlimmsten waren bei diesen Aktionen meine 3 Pullover und meine Jeanshose. Egal wie oft ich diese auswrang, sie tropften immer, so dass ich sie in unserem Badezimmer aufhängen musste, damit mein Zimmer nicht überflutet wurde.
Bis ich eine Routine im Schrubben, Rubbeln, Auswringen, Durchspülen, Auswaschen hatte, sind einige Waschaktionen vergangen, doch man gewöhnt sich daran, auch wenn man meist das Gefühl hat, dass die Wäsche nie ganz sauber wird. Und wenn es draussen schlechtes Wetter war, dauerte es manchmal schon einen Tag, bis die Wäsche trocken war. Alle 2 Monate habe ich mir dann den Luxus gegönnt und habe meine Pullover und die Jeans in eine der vielen Wäscherein gegeben. Dort musste man jedoch immer gut aufpassen und seine Wäschestücke genauestens nachzählen, damit nichts verloren ging. Mir ist jedoch leider kurz vor meiner Abreise mein Fleecepullover abhanden gekommen, ich hatte nämlich bei der Abholung meiner Wäsche nicht genau nachgezählt.
Jetzt werde ich gleich den Luxus geniessen und die sauber gezauberte Wäsche aus meiner Waschmaschine nehmen und mich freuen, dass ich sie nur noch auf der tollen Erfindung namens Wäscheständer aufhänge muss. Viel Spass bei eurer nächsten Wäscheaktion.

Fleisch zum Trocknen neben der frischen Wäsche

Selbst die Kinder waschen ihre Wäsche selbst