2. Bolivien-Netz-Konferenz in Dortmund
Am ersten Maiwochenende haben sich im Evangelischen Gemeindehaus Dortmund-Südwest über 40 ehemalige Bolivienfreiwillige, Bolivianer und Bolivieninteressierte zur 2. Konferenz des Bolivien-Netzes e.V. versammelt.
Neben vielen neuen Impulsen standen besonders die fertige Wander-Fotoausstellung, das Vorbereitungsseminar für neue Bolivienfreiwillige
im Juni, ein Kongress aller deutschen Bolivien-Vereine und allgemeine Zielsetzungen des Vereins im Mittelpunkt der Gespräche.
„Cochabamba, Cochabamba“- Rufe, eifriges Hin- und Herlaufen, spanische Vokabeln, suchende Blicke, Stimmengewirr – was an busbahnhofartige Szenen an einem südamerikanischen Terminal erinnert, ist die Vorstellungsrunde der Teilnehmer
auf der 2. Bolivien-Netz-Konferenz. Nachdem nach und nach 36 Teilnehmer aus ganz Deutschland eingetroffen sind und sich bei Pizza gestärkt haben, beginnt das Treffen nun offiziell. Verschiedenfarbige Zettel, die individuell Auskunft über die jeweiligen Aufenthalte in Bolivien, Lieblingsgerichte, Spitznamen etc. geben, sind durchmischt und suchen in
einem Wettspiel wieder nach ihrem eigentlichen Besitzer um danach Grundlage einer
kurzen Präsentation zu sein.
Schon am Freitagabend wird deutlich, dass sich wie im Januar in Bonn auch diesmal wieder interessierte und engagierte Leute zusammengefunden haben, um an Ideen und Projekten des Bolivien-Netzes weiterzuarbeiten. Und erneut könnte die Vielfalt nicht größer sein: gerade zurückgekehrte Freiwillige und Bolivianer, die einen einjährigen Dienst in Deutschland leisten, deutsche Freiwillige die Jahre nach ihrem Einsatz im Land erstmals wieder mit Bolivien in Kontakt kommen und adoptierte Bolivianer, die in Deutschland aufgewachsen sind.
Am Samstagmorgen stoßen noch weitere Teilnehmer zur Konferenz, sodass über das Wochenende verteilt mehr als 40 Anwesende, davon etwa ein Viertel bolivianisch, Ideen diskutieren, weitere Projekte planen, Neuigkeiten und Erfahrungen austauschen.
Auf die Vorstellung der bisherigen Arbeit des Bolivien- Netzes und seiner Vereinsstrukturen für alle neuen Konferenzbesucher folgt am Samstag die Arbeit in Kleingruppen mit der altbewährten Open Space- Methode. Diese bietet allen Mitwirkenden die Möglichkeit sich und ihre fixen, aber vor allem auch ihre wagen Ideen für den Verein anzubringen und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen.
13 Gruppen bilden sich in den zwei Open-Space-Arbeitseinheiten, darunter auch die bereits laufenden Projekte Vorbereitungsseminars für im Sommer ausreisende Bolivienfreiwillige und Fotoausstellung, die einer letzten Ausarbeitung bedürfen.
Am Nachmittag herrschen in den Räumen des Gemeindezentrums konzentriertes Arbeiten und angeregte Diskussionen. Unter anderem denken die Teilnehmer über die Optimierung der Kontakte zu den Entsenderorganisationen nach, erarbeiten neue Homepageinhalte, planen die 3. Bolivien-Netz-Konferenz Anfang Oktober und arbeiten Verbesserungsvorschläge in die Vereinssatzung ein. Außerdem sprechen sie über Politik und aktuelle Entwicklungen im Land, bolivianische Kulturveranstaltungen in Deutschland und die Möglichkeit auf einer Homepage und in Kooperation mit anderen bolivianischen Vereinen einen deutschlandweiten Kalender mit allen Veranstaltungen zum Thema Bolivien zu pflegen. Besonders durch die Teilnahme bolivianischer Pfadfinder und Bolivianer, die gerade einen Dienst in Deutschland absolvieren, ist „Bolivianische Freiwillige nach Deutschland“ ein heiß diskutiertes Thema.
Nach dem Abendessen tragen die Gruppen ihre Überlegungen im Plenum zusammen und präsentieren ihre Ergebnisse. Das Vorbereitungsseminar mit Tipps und Infos für die kommende Freiwilligengeneration wird vom 04. bis 06. Juni in der Johannes-Schule in
Bonn stattfinden. Die Arbeitsgruppe Politik und Gesellschaft bietet dazu an, die bolivianische Geschichte, Hintergründe und aktuelle Geschehnisse bis dahin aufzubereiten und den Ausreisenden an dem Wochenende zur Verfügung zu stellen.
Die im Januar beschlossene und seitdem ausgearbeitete Fotoausstellung wird auf dem Ökumenischen Kirchentag vom 12.-16. Mai in München in Form von 20 ausgewählten Bildern auf Schaumstoffplatten zu sehen sein. Als geplante Wander-Fotoausstellung ist möglicherweise der nächste Auftritt Ende Juli auf dem Paderborner Libori-Fest.
Bis einschließlich in eine Arbeitseinheit im Plenum am nächsten Morgen beschäftigt die Anwesenden der Vorschlag ein Treffen aller Bolivien-Vereine Deutschlands zur Vernetzung in Angriff zu nehmen.
Am Samstagabend dürfen wie auch auf der Konferenz in Bonn die „Fiesta boliviana“ mit ausgelassenem Tanz zur bolivianischen Musik, Gitarrespielen und Singen sowie am Rande der Tanzfläche der private Austausch von Erfahrungen und Erinnerungen nicht fehlen.
Für die Unterkunft und das Nutzen der Räumlichkeiten bedanken sich die Bolivien-Netz- Mitglieder am Sonntagvormittag im Gottesdienst mit einem musikalischen Beitrag bei der Gemeinde.
In der Auswertung des Wochenendes freut sich Christopher Hüls: „Endlich habe ich wieder viel Spanisch gesprochen“ und Ira Schulte, die Freiwillige aus ihrem Jahrgang 2008/09 wiedergesehen hat, fand es wunderbar „so viele alte und neue Gesichter zu treffen“.
Besonders die bolivianischen Teilnehmer sind sich einig: „Schön, dass Bolivien in Deutschland nicht vergessen wird“. „Während die erste Konferenz noch ein Herantasten war“, so befindet Sophia Hopp, „ist die zweite Konferenz schon viel mehr eine Gemeinschaft, auch wenn es noch ein weiter Weg ist“. Und auch die neu Dazugestoßenen sind zufrieden mit dem Wochenende: „In so einer aktiven Gruppe leiste ich gerne einen Beitrag“, meint Samuel Rosenow und Johanna Hauf hat „seit der Rückkehr endlich wieder einen Bolivienflash“ genossen.
Das große weiße Plakat mit den Fragen „Wer sind wir?“ und „Wo wollen wir hin?“,
welches seit Samstagmorgen an der Wand hängt und immer wieder mit Markern und Filzstiften ergänzt und kommentiert wurde, liegt in der Mitte der Abschlussrunde der
2. Bolivien-Netz-Konferenz. So vielfältig es ist, die erste Frage bei den unterschiedlichen Wohnorten, Studiengängen, Arbeitsplätzen und Vorgeschichten zu beantworten, umso
sicherer sind sich alle Konferenzteilnehmer mit der zweiten Frage. Die Antwort ist: Ansprechpartner für ehemalige, zukünftige und aktuelle Bolivienfreiwillige, weiteres Engagement für das Land, Vernetzung mit anderen deutschen Vereinigungen für Bolivien
und die Informations- und Bewusstseinsarbeit in Deutschland.